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Krank sind hier nicht die Zivildiener, Frau Minister!

Anmerkungen zum Vorstoß der Innenministerin, den Zivildienst neuerlich zu verschärfen

Foto eines Zivildienstabzeichens

Von:
Harald Fartacek, Mitglied der Zivildienst-Reformkommission 2004/05

Organisation: KJ Oberösterreich
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Innenministerin Dr. Fekter schlägt vor, dass künftig jeder Krankenstand über drei Tage von Zivildienern „nachzudienen" ist. Die SPÖ zeigt sich darüber wieder mal „gesprächsbereit".

Nur: Weder die Zivildienst-Serviceagentur des Innenministeriums noch die Zivildienst-Einsatzstellen sehen hier einen Handlungsbedarf. Im Gegenteil: Zivildiener sind großteils sehr motiviert und Krankenstände sind kaum ein größeres Problem.

Schon jetzt gilt bei Krankenständen ein „verschärftes" Zivildienstrecht: Zivis müssen bereits am ersten Krankenstandstag zum Arzt, der Krankenstand ist auch der Bezirksverwaltungsbehörde zu melden und er kann zusätzlich vom Amtsarzt kontrolliert werden. Bei Krankenständen, die länger als 24 Tage dauern, kann der Zivildienst abgebrochen werden und der Zivildiener hat die restliche Zeit „nachzudienen".

Wohin würde Ministerin Fekters Vorschlag nun führen?

  • Zivis würden auch als Kranke oder Halbkranke den Zivildienst leisten. Fein z.B. für ohnehin schon geschwächte PatientInnen, wenn sie dann im Rettungswagen oder Krankenhaus zusätzlich noch vom Zivi mit Grippe angesteckt werden.

  • In den Einrichtungen wird es zeitweise ziemlich eng werden, wenn dann die „Ex-Zivis" ihre Krankenstandstage nachdienen und auch die „neuen" Zivis schon ihren Dienst begonnen haben. Und da ja der Krankenstand vielleicht erst in den letzten Tagen und Wochen des Zivildienstes notwendig wurde lässt sich das Dienstende der alten Zivis und der Antritt der Neuen auch nicht mehr planen.

  • Planen lässt sich auch nichts mehr am „Normal-Arbeitsplatz" der Zivildiener. Tritt der ehemalige Zivi seine Arbeit pünktlich an oder hat er noch Krankenstandstage nachzudienen?

Warum dann diese Diskussion? Will man junge Menschen vom Zivildienst abschrecken, obwohl die Einsatzstellen dringen Zivildiener brauchen? Will man einen „Versuchsballon" starten, wie weit sich arbeits- und sozialrechtlicher Schutz in Österreich vielleicht generell aufweichen lässt? Oder will jemand billige Schlagzeilen machen?

Obwohl der Großteil der Zivis motiviert und mit viel Engagement den Zwangsdienst leistet bleibt wieder mal hängen: Zivildiener sind Drückeberger! Eigentlich wurde in der Zivildienst-Reformkommission vor einigen Jahren vereinbart, den Zivildienst und ähnliche Freiwilligendienste attraktiver zu gestalten, weil es viel Sinn macht, wenn junge Menschen im Sozialbereich engagiert sind. An der Umsetzung dieser Vorschläge krankt es, Frau Minister, nicht am Krankenstand der Zivis!

 

 

 
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