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Missbrauchsfälle, ein Jahr danach: Appell an Kirche und Politik

11.3.2011

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Von:
Margit Stolz, Öffentlichkeitsarbeit

Organisation: Katholische Jugend Österreich
+43 1 512 16 21
Johannesgasse 16/1
1010 Wien
office@kjweb.at

Katholische Jugend Österreich zieht durchwachsene Bilanz ein Jahr nachher. Die Aufarbeitung geht voran, aber Kirche und Politik sind weiterhin gefordert.

Ein Jahr nach Bekanntwerden der Fälle sexueller Gewalt in der katholischen Kirche zieht die Katholische Jugend Österreich (KJÖ) Bilanz was bisher in Bezug auf Aufarbeitung und Prävention geschehen ist: „Auch wenn die mediale Aufmerksamkeit zum Thema sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche zurückgegangen ist, besteht ein Jahr danach immer noch Handlungsbedarf sowohl von Seiten der Kirche als auch von Seiten der Politik," äußert sich Stephan Bazalka, Vorsitzender der KJÖ, kritisch.

Zwar wurde neben den diözesanen Ombudsstellen eine Opferkommission eingerichtet, die eine Anlaufstelle für Betroffene sexueller Gewalt in der Kirche darstellt - eine österreichweite Koordinationsstelle fehlt jedoch bis heute. „Diese Ombudsstellen müssen endlich durchgängig mit unabhängigen Expertinnen und Experten besetzt werden, damit den Betroffenen ein Erstkontakt erleichtert wird", fordert Stephan Bazalka. „Solange kirchliche Autoritäten die Ombudstellen leiten werden diese nicht als unabhängig wahrgenommen werden. Es muss aber im Interesse der Kirche sein, endlich alles aufzuklären."

Auch mit dem Engagement auf politischer Ebene gibt sich die KJÖ nicht zufrieden. „Die Kirche hat spät aber doch reagiert, die Politik schläft bis heute", kritisiert Bazalka und fragt: „Was wurde aus der Verlängerung der Verjährungsfristen? Warum ist die Politik zu feig, auch staatliche Einrichtungen zu untersuchen? Die Politik muss endlich ihre Verantwortung wahrnehmen und erkennen, dass Gewalt und sexueller Missbrauch gesellschaftliche Phänomene sind. Gerade die Verlängerung der Verjährungsfristen ist dringend notwendig, da Opfer oft erst Jahrzehnte später den Mut aufbringen über ihre Traumata zu sprechen."

Die Katholische Jugend leistet mit spezifischen Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen für JugendgruppenleiterInnen aber auch mit Studientagen seit Jahren einen Beitrag zur Sensibilisierung im Umgang mit sexueller Gewalt. Wichtig ist dabei auch die Vernetzung und Koordination mit der Katholischen Jungschar. Eine Forderung der KJÖ besteht darin Menschen mit entsprechenden psychologischen, juristischen und vor allem pädagogischen Qualifikationen anzustellen, die betroffene Kinder und Jugendliche betreuen und beraten.

„Als christliche Jugendorganisation werden wir uns auch weiterhin vehement für den Opferschutz stark machen und treten für die Abschaffung begünstigender Machtstrukturen ein. Kirche und Politik sind aufgefordert, ihren Pflichten nachzukommen und weitere Maßnahmen zur Prävention und Aufklärung voranzutreiben. Dazu gehören strafrechtliche Maßnahmen, aber auch Standards in der Ausbildung und Begleitung von Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich in Kontakt mit Kindern und Jugendlichen stehen. Das sind Kirche und Politik den Missbrauchsopfern, deren Angehörigen aber auch den betroffenen Einrichtungen schuldig", so Bazalka abschließend.

 
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